Wann haben wir aufgehört zu tanzen?

Kinder tanzen, wenn Musik läuft. Sie beginnen intuitiv, sich zu bewegen. Springen, werfen die Arme in die Luft, schütteln die Beine aus, drehen sich wild im Kreis.
Als Jugendliche blicken wir uns erst einmal um - Tanzt schon jemand? Wie bewegen sich die anderen? Wie sehe ich dabei aus? Ist das cool oder peinlich?
Mit 40 stehen wir auf einer Party und sagen: „Ich tanze nicht. Später vielleicht.“

Was ist passiert?

Wir haben begonnen, den Blick der anderen in unsere Entscheidungen einzubeziehen.
Statt einfach zu spüren: Ja, genau so. Das fühlt sich richtig an., beschäftigen wir uns damit, den Raum zu lesen.

Wir vergleichen uns, passen uns an, beobachten Reaktionen und beziehen sie auf uns.
Unser Kompass richtet sich nach außen. Weil wir dazugehören wollen.

Das ist menschlich.
Wenn wir den Urteilen anderer jedoch mehr Gewicht geben als unserer eigenen Wahrnehmung, verlieren wir etwas Wichtiges: den Zugang zu unserer Intuition. Zu diesem feinen Gefühl in uns, das oft schon da ist, bevor die Gedanken einsetzen. Bevor wir abwägen, vergleichen und Reaktionen deuten.

Die Meinung anderer kann wertvolle Information sein. Sie kann unseren Blick erweitern und Dinge sichtbar machen, die wir selbst übersehen. Wird sie aber zur inneren Richtlinie, verlassen wir uns immer weniger auf uns selbst.

Wir schulen uns darin, andere zu lesen, statt uns selbst.
Und irgendwann stehen wir auf der Tanzfläche und sehen uns selbst beim Tanzen zu.

Selbstvertrauen aber beginnt dort, wo die eigene Wahrnehmung wieder eine Stimme in unseren Entscheidungen bekommt. Wo wir uns selbst wieder fühlen.

Also Musik an.
Tanze!

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