Care to create
by Jana Kreissl
“Es ging mir eigentlich immer darum, Menschen zu berühren und etwas in ihnen in Bewegung zu bringen. Beim Filmemachen habe ich das über Geschichten getan. Heute eher über direkten Austausch und gemeinsame Erfahrungen. Die Vision ist die gleiche geblieben – nur das Medium hat sich verändert.”
Du hast lange in der Filmbranche gearbeitet und mit Mitte 30 noch einmal einen anderen Weg eingeschlagen. Wie kam es zu diesem Wandel?
Ich war viele Jahre als Produzentin in der Filmbranche tätig und habe eine Firma gegründet. Ich habe meine Arbeit sehr geliebt und gleichzeitig habe ich erlebt, wie schnell man in leistungsorientierten und kreativen Arbeitswelten die Verbindung zu sich selbst verlieren kann.
Da ist viel Verantwortung, hoher Druck – finanziell, emotional, kreativ. In der Filmbranche gehört Burnout zum guten Ton dazu. Für Überstunden feiert man sich. Ich habe das lange akzeptiert und funktioniert. Die Signale meines Körpers habe ich überhört. Dann kam die Krise.
Über Yoga fand ich den Weg zurück in meinen Körper. Kam zur Ruhe. Sah wieder klar und habe mich gefragt: Ist das unabhängige Produzieren noch mein Weg? Als Antwort kam erst ein Gefühl. Daraus formte sich ein Gedanke. Daraus ein Wort: “Nein.”
Meine Arbeit heute fühlt sich deshalb nicht wie ein Bruch an, sondern wie eine Konsequenz aus meinen Erfahrungen.
Du sagst, über Yoga hast du zurück in deinen Körper gefunden. Was bedeutet Yoga für dich – jenseits der körperlichen Praxis?
Yoga ist für mich vor allem eine Praxis bewusster Wahrnehmung und Verbindung. Wie viele andere bin ich über die körperliche Praxis eingestiegen – Yoga Asana. Doch schon in meiner ersten Ausbildung war es vor allem die Philosophie, die mich begeistert hat. Viele verstehen Yoga als Rückzug. Für mich geht es eher darum, wie wir noch tiefer mit dem Leben in Berührung kommen können.
Wie verbindest du das mit Resilienz?
Für mich bedeutet Resilienz nicht, immer stärker zu werden oder noch mehr aushalten zu können. Es geht darum, mit sich selbst verbunden zu sein. Zu wissen, was einem Halt gibt. Den eigenen Werten zu vertrauen und darin Orientierung zu finden — gerade in herausfordernden Zeiten.
Spannend finde ich, dass viele Gedanken moderner Resilienzforschung auch in alten yogischen Texten auftauchen.In der Bhagavad Gita befindet sich Arjuna mitten in einer existenziellen Krise. Krishna begleitet ihn dabei, wieder klar zu sehen. Darin steckt für mich unglaublich viel Weisheit darüber, wie wir mit Unsicherheit und Verantwortung umgehen können.
Was bedeutet „Care to Create“ für dich?
Ich glaube, dass jeder Mensch einen inneren Handlungsspielraum hat – auch wenn wir ihn manchmal nicht mehr wahrnehmen können. Es geht mir darum, Menschen wieder zu befähigen diesen zu gestalten. Create.
Um dazu in der Lage zu sein, müssen wir lernen, gut für uns selbst und füreinander zu sorgen. Selbstwahrnehmung, Mitgefühl und eine stabile Resilienz spielen dabei eine große Rolle. Care.
Wie verbindest du Resilienz und Yoga in der Praxis miteinander?
Es geht letztlich immer um Veränderung. Darum, neue Perspektiven einzunehmen und an der eigenen inneren Haltung zu arbeiten. Für mich geht es im Yoga nicht nur um die physische Haltung, sondern vielmehr um eine innere: Wie begegnen wir uns selbst? Wie begegnen wir anderen? Wie begegnen wir der Welt?
Genauso verstehe ich auch Resilienz.
Natürlich beginnt sie bei uns selbst. Gleichzeitig sind wir immer Teil größerer Zusammenhänge. Wenn sich Haltungen verändern, verändert sich Verhalten. Und daraus können neue Verhältnisse entstehen.
“Es geht mir darum, Menschen wieder zu befähigen, ihren eigenen Handlungsspielraum zu gestalten. Create. Um dazu in der Lage zu sein, müssen wir lernen, gut für uns selbst und füreinander zu sorgen. Selbstwahrnehmung, Mitgefühl und eine stabile Resilienz spielen dabei eine große Rolle. Care.”
Welche Bedeutung spielt der Körper in deiner Arbeit?
Eine sehr große.
Wir neigen in unserer Gesellschaft dazu alles zu analysieren, zu grübeln, im Kopf und im Problem zu verharren. Ich glaube aber, oder ich weiß, dass wir nur dann wirklich etwas verändern können, wenn wir unseren Körper mitnehmen. Über bewusst erlebte Erfahrungen können wir ganz andere Wirkungen erzielen.
Was möchtest du Menschen in deinen Räumen ermöglichen?
Ich möchte Räume gestalten - in denen wir uns ehrlich begegnen und miteinander verbinden.
In denen Emotionen nicht wegoptimiert, sondern wahrgenommen und gefühlt werden dürfen. In denen wir lernen wieder zuzuhören – uns selbst und anderen. Räume die sich leicht anfühlen dürfen und aus denen wir ein Stück neues Bewusstsein mitnehmen.
Welche Menschen sind bei dir gut aufgehoben?
Menschen, die Lust haben auf Tiefe statt Tempo – aber nicht genau wissen, wie das geht. Die nicht länger durch ihr Leben renne wollen und Sinn suchen in dem, was sie tun.
Viele Menschen, die zu mir kommen, tragen viel Verantwortung, sind viel im Kopf oder befinden sich in Phasen von Stress, Veränderung oder Neuorientierung. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Verbindung zu sich selbst, mehr Klarheit und einen bewussteren Umgang mit ihrem Leben.
Wo siehst du Parallelen zwischen deiner früheren und heutigen Arbeit?
Es ging mir eigentlich immer darum, Menschen zu berühren und etwas in ihnen in Bewegung zu bringen. Beim Filmemachen habe ich das über Geschichten getan. Heute eher über direkten Austausch und gemeinsame Erfahrungen. Die Vision ist die gleiche geblieben – nur das Medium hat sich verändert.
Die 5 Säulen meiner Arbeit
Verbindung
Stabilität
Gestaltungskraft
Vertrauen
Sinn
Meine Ausbildungen
300h Jivamukti Yoga Teacher Training
Zertifizierte Ausbildung, Systemische Coach mit Schwerpunkt Resilienz & mentale Gesundheit, kitchen2soul, Dr. T. Reichhart & C. Pusch
Weiterbildung, Körperliche Resilienz, Resilienzakademie, Sebastian Mauritz & Gerhard Moser
Weiterbildung, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Deutsche Psycholog:innen Akademie, Julia Scharnhorst
Zertifizierte Ausbildung, Resilienz Coach, kitchen2soul - Dr. Tatjana Reichhart & Claudia Pusch
Zertifizierte Ausbildung, Resilienztrainerin, Resilienzakademie, Sebastian Mauritz
Filmproduktion, Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin
Theater, Film und Medienwissenschaft, Universität Wien