Yoga & Resilienz

Wir leben in einer Zeit, in der Wachstum oft mit „mehr“ erreichen, mit in die Höhe streben - gleichgesetzt wird. Unser Blick ist ins Außen gerichtet. Das, was andere sehen, zählt - was groß, mächtig und erfolgreich scheint. Doch je herausfordernder die eigene Lebenssituation ist, je komplexer und unvorhersehbarer die Welt wird, desto wichtiger wird eine andere Frage:

Was gibt mir Halt und Orientierung im Inneren, wenn Alles ins Wanken gerät?

Es ist das Wachsen in die Tiefe, das uns Halt gibt.

Stellen wir uns einen Baum vor. Nicht die Früchte tragen ihn. Sondern seine Wurzeln.
Das, was in die Tiefe reicht, nicht das, was nach oben strebt und sich glanzvoll an der Oberfläche präsentiert. In diesem Bild berühren sich für mich Yoga und Resilienz.

Individuelle Resilienz beschäftigt sich psychologischer, soziologischer und neurowissenschaftlicher Ebene mit Faktoren, die Menschen helfen, Krisen zu bewältigen. Es geht darum auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.
Dabei ist es nicht das Ziel unerschütterlich zu werden - sondern beweglich und anpassungsfähig. Resiliente Menschen zeichnen durch ihre Fähigkeit aus, mit den Herausforderungen des Lebens mitgehen zu können und nicht daran zu zerbrechen.
Sie kennen ihre Ressourcen und haben Vertrauen in sie. Sie wissen, was ihnen Halt gibt und nähren diese Wurzeln bewusst. Sie handeln nach ihren Werten und verlieren so auch in stürmischen Zeiten nicht die Orientierung. Sie sind in Kontakt mit ihren Gefühlen und versuchen diese nicht wegzuoptimieren.
Sie erleben ihr Leben als sinnvoll. Wobei Sinn nichts Ichbezogenes ist. Sinn ist keine abgeschlossene, private Konstruktion, sondern immer eingebettet in Gemeinschaft und die Welt. Sinn entsteht dort, wo wir uns verbunden fühlen; wenn das, was wir tun auf etwas Größeres einzahlt als uns selbst.

Die Frage, was Menschen in Krisen trägt, beschäftigt uns nicht erst seit Beginn der modernen Resilienzforschung.

Eine der ältesten Antworten darauf findet sich in der Bhagavad Gita.
Sie beginnt mit einer Krise. Arjuna steht auf dem Schlachtfeld und ist handlungsunfähig. Seine Welt gerät ins Wanken. Seine Rolle verschwimmt. Seine Verantwortung ist unklar. Seine Beziehungen werden in Frage gestellt. Er weiß nicht mehr, was richtig und was falsch ist.

Krishna erinnert ihn.
An seine Aufgabe. An seine Werte. An seine Fähigkeiten. An all das, wozu wir den Zugang verlieren, wenn Verwirrung, Angst und Zweifel uns die Sicht vernebeln.
Die Bhagavad Gita ist eine brillante Fallstudie menschlicher Psychologie. Sie hilft uns, das Leben besser zu verstehen und mit seinen Herausforderungen umzugehen.

„Yoga is a remembering of who we truly are.“
Im Vergessen liegt das Leiden. Im Erinnern beginnt Vertrauen.

Die Gita liefert uns Werkzeuge, um einen bewussten Umgang für Schwierigkeiten und Konflikte zu finden. Die Yoga Praxis lädt uns dazu ein, mit uns in Kontakt zu kommen, mit dem Leben tiefer in Beziehung zu sein. Sie führt uns dahin, wo wir wieder fühlen dürfen. Es ist ein Erfahrungsweg, der es uns ermöglicht, zu sein, wer wir wirklich sind.

Worin nun liegt die Verbindung von Resilienz und Yoga?
Für mich geht es weniger darum, dass uns Yoga stressfreier, entspannter und damit auch resilienter macht. Sondern uns tiefer in Kontakt mit uns und dem Leben bringt. Uns die richtige Frage stellt – wer bin ich?
Und die Antwort darauf finden wir ganz sicher nicht im in die Höhe wachsen. Sondern in uns. In unseren Wurzeln. In dem, was uns trägt. In der Bereitschaft, der Neugier und der Offenheit immer wieder nach Hause zu finden.

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Satsang