The Devine Gaze
Vielleicht beginnt Gewaltlosigkeit schon viel früher, als wir denken — im Blick. In der Art und Weise, wie wir wahrnehmen, wie wir die Welt sehen, wie wir auf andere Lebewesen blicken.
Die Frage nach „dem Blick“ hat auch schon meine filmische Arbeit geprägt: In Das melancholische Mädchen (2019) haben wir dem männlichen Blick den weiblichen gegenübergestellt. Wir haben Bilder überhöht, um die Absurdität unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Ich frage mich: Reicht dieses Konzept noch aus?
Verschärfen wir dadurch nicht auch die Trennung voneinander — male, female?
Womit identifizieren sich all jene, die sich dieser Geschlechterunterteilung nicht zugehörig fühlen? Und was ist mit den anderen fühlenden Lebewesen, die in diesen Kategorien gar nicht vorkommen?
Aus welcher Perspektive wollen wir die Welt wahrnehmen? Was brauchen wir tatsächlich, um einer entrückten Welt entgegenzuwirken? Den weiblichen Blick — weil er so lange nicht sichtbar war? Oder sind wir vielleicht schon einen Schritt weiter?
Haben wir uns lange genug voneinander getrennt und sind wir bereit für Einheit?
Für einen Blick, der nicht trennt, sondern verbindet.
The divine gaze.
Der Blick des Mitgefühls und der Gewaltlosigkeit.
Ein Blick, der jedes Lebewesen in seiner Heiligkeit erkennt.
Ein Blick, unter dem jedes fühlende Wesen es verdient, gesehen und geliebt zu werden.